{"id":207,"date":"2019-01-17T11:47:12","date_gmt":"2019-01-17T10:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diyseeds.org\/en\/?page_id=207"},"modified":"2025-03-10T00:27:15","modified_gmt":"2025-03-09T23:27:15","slug":"why-produce-own-seeds","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.diyseeds.org\/de\/why-produce-own-seeds\/","title":{"rendered":"Warum Gem\u00fcse selbst erhalten?"},"content":{"rendered":"<h1>WARUM GEM\u00dcSE SELBST ERHALTEN?<\/h1>\r\n\r\n<p>Eigenes Saatgut zu gewinnen, verschafft mehr Autonomie. Es bedeutet mitzuwirken beim Erhalt eines gemeinsamen Erbes, das \u00fcber unz\u00e4hlige Generationen aufgebaut wurde und nun vom Verschwinden bedroht ist. Gleichzeitig ist es eine Form des zivilen Ungehorsams angesichts einer immer restriktiveren Gesetzgebung, die es den grossen Saatgutfirmen erm\u00f6glicht, die Basis der Ern\u00e4hrungskette zu privatisieren.<\/p>\r\n\r\n<p>Die Monopolstellung der Agro-Industrie auf dem globalen Markt hat die Zerst\u00f6rung von Jahrtausende alten Agrarsystemen bewirkt, die mit Tausenden Pflanzenarten unz\u00e4hlige Generationen ern\u00e4hrt haben. Heute ist die Ern\u00e4hrung der Weltbev\u00f6lkerung auf eine sehr kleine Anzahl pflanzlicher Arten begrenzt. Fr\u00fcher hatte jede Region, jedes Tal seine eigenen spezifisch angepassten Sorten. Die B\u00e4uerinnen tauschten h\u00e4ufig. Die Sorten gingen auf Reisen.<\/p>\r\n\r\n<p>Die industrielle Landwirtschaft braucht uniforme und stabile Sorten, was im Gegensatz zu den b\u00e4uerlichen Selektionskriterien steht. Die Bauern arbeiten mit Landsorten, auch Populationen genannt. Landsorten zeichnen sich aus durch eine genetische Vielfalt und die F\u00e4higkeit zu Resistenz, Fortentwicklung und Anpassung an sich ver\u00e4ndernde Umweltbedingungen. Aus agronomischer Sicht weiss man auch, dass heute die meisten Pflanzenkrankheiten durch die industrielle Landwirtschaft verursacht werden. Die extrem vereinfachte und mechanisierte Agro-Industrie mit ihren Monokulturen hat eine nicht wieder gutzumachende genetische Erosion zur Folge und ist die Wegbereiterin der Hungersn\u00f6te von morgen. Sie bedeutet einen Affront gegen\u00fcber vielen Generationen von B\u00e4uerinnen, die seit jeher dank ihres ausserordentlichen Einfallsreichtums \u00fcberlebt haben.<\/p>\r\n\r\n<p>Die Gesetze in Europa zwingen die Saatgutz\u00fcchter, ihre Sorten in den offiziellen Saatgutkatalog einzutragen, was mit grossen Kosten verbunden ist und sehr strenge Selektionskriterien vorschreibt: Die \u201eDUS-Kriterien\u201c stehen f\u00fcr Unterscheidbarkeit,Uniformit\u00e4t und Stabilit\u00e4t der Sorten. Sie sind dem industriellen Anbau angepasst und weder auf die alten Saatgutsorten noch die Kleinproduzenten zugeschnitten. Wer diese Gesetze nicht respektiert, riskiert ein gerichtliches Verfahren, wie zum Beispiel der Verein \u201eKokopelli\u201c in Frankreich. Dass m\u00f6glichst viele Menschen ihr eigenes Saatgut gewinnen, ist die beste Art gegen diese Entwicklung Widerstand zu leisten, ob es legal ist oder nicht.<\/p>\r\n\r\n<p>Wir leben in einer konfliktreichen Zeit und jeder Krieg, jede Wirtschaftskrise konfrontiert die Menschen mit ihren Grundbed\u00fcrfnissen Wohnung, Kleidung und Nahrung. Die Bilanz ist bitter: Die St\u00e4dterinnen sind nicht mehr in der Lage, Pflanzen f\u00fcr ihre Ern\u00e4hrung anzubauen und die B\u00e4uerinnen sind f\u00fcr den Kauf von Saatgut fast ausschliesslich von einigen multinationalen Unternehmen abh\u00e4ngig. In Griechenland, Syrien und anderen L\u00e4ndern, die durch Krise oder Krieg destabilisiert sind, braucht die Bev\u00f6lkerung dringend Saatgut. Im Irak und in Syrien, der Geburtsst\u00e4tte des Getreideanbaus, in Afghanistan, wo viele Gem\u00fcsesorten herkommen, wurden die Saatgutbanken systematisch durch Bombardierungen der westlichen Streitkr\u00e4fte zerst\u00f6rt. Damit ging ein Jahrtausende alter, unermesslich wertvoller Schatz an Kulturpflanzen unwiderruflich verloren. Genau die Krisen zeigen, wie riskant es ist, dieses Erbe einigen Saatgutbanken zu \u00fcberlassen, zu denen B\u00e4uerinnen nur schwer Zutritt haben. Anfang dieses Jahrhunderts kam es in zumeist st\u00e4dtischen Gebieten durch Getreidespekulationen und klimatische St\u00f6rungenzu blutigen \u201eHungerrevolten\u201c, die wir nicht vergessen sollten.<\/p>\r\n\r\n<p>Heute wachsen weltweit genetisch manipulierte Pflanzen auf einer Fl\u00e4che, die der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che von ganz Westeuropa entspricht. Seit 2001 wissen wir, dass die alten Maissorten in ihrem Ursprungsland Mexiko durch amerikanische Importe von genmanipuliertem Mais verunreinigt sind. Diese genmanipulierten Organismen, die man uns aufzwingen will, stellen weder eine L\u00f6sung f\u00fcr den Hunger und die Unterern\u00e4hrung dar, noch zur Krankheitsbek\u00e4mpfung bei Mensch und Pflanzen. Sie sind vielmehr eine Gefahr f\u00fcr Umwelt und Gesundheit.<\/p>\r\n\r\n<p>In Frankreich zum Beispiel wurden der Erhalt und die Selektion von Hafer von den Forschungsinstituten aufgegeben, weil es zu teuer kam und Arbeitspferde, deren Hauptkraftstoff Hafer ist, der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Doch wer weiss, vielleicht m\u00fcssen wir eines Tages auf die tierische Arbeitskraft zur\u00fcckgreifen?<br \/>Diese Fakten zu begreifen ist \u00e4usserst wichtig. Das \u00dcberleben der traditionellen Landwirtschaft steht heute auf dem Spiel. Es wird uns vorgegaukelt, dass die Gentechnik der einzig m\u00f6gliche Weg sei, die Ern\u00e4hrung f\u00fcr die wachsende Weltbev\u00f6lkerung zu sichern.<\/p>\r\n\r\n<p>Das Verschwinden der Bauern geht mit dem Verschwinden der Sorten und des dazugeh\u00f6rigen Wissens einher. B\u00e4uer-Innen und G\u00e4rtner-Innen sind die H\u00fcter der Kulturpflanzenvielfalt und man sollte alles daran setzen, dass es weiterhin m\u00f6glichst viele von ihnen gibt.<\/p>\r\n\r\n<p>All das sind Gr\u00fcnde, die Pflanzenvielfalt zu erhalten und den freien und kostenlosen Zugang dazu zu gew\u00e4hrleisten, denn es geht um die Saat der Zukunft. Sie kann nur \u00fcberleben, wenn wir sie in unseren G\u00e4rten anbauen. Das Einfrieren in K\u00fchlschr\u00e4nken oder Genbanken ist keine L\u00f6sung.<\/p>\r\n\r\n<p>Der vorliegende Film ist eine Anleitung zur Sameng\u00e4rtnerei. Eigenes Saatgut zu gewinnen ist nicht schwer, kostet nichts und macht sogar Spass. Das damit verbundene Wissen sollte nicht das Privileg von Spezialisten werden, die Saatgut durch Patente privatisieren. Eigenes Saatgut zu gewinnen ist ein Schritt aus der Abh\u00e4ngigkeit heraus. Es heisst auch, sich das Naturerbe der Welt erneut anzueignen und es zu sch\u00fctzen, damit es auch in der Zukunft Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<\/p>\r\n\r\n<p><strong>Jacques Berguerand, Longo ma\u00ef, 15. Juni 2015<\/strong><\/p>\r\n\r\n<br \/>\r\n\r\n<div class=\"less\"><a href=\"https:\/\/diyseeds.org\/de\/home\"><div class=\"align-center\"><div class=\"minus\"><\/div><\/div><\/a><\/div>\r\n\r\n<br \/>\r\n<br \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WARUM GEM\u00dcSE SELBST ERHALTEN? Eigenes Saatgut zu gewinnen, verschafft mehr Autonomie. Es bedeutet mitzuwirken beim Erhalt eines gemeinsamen Erbes, das \u00fcber unz\u00e4hlige Generationen aufgebaut wurde und nun vom Verschwinden bedroht ist. 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